Kommunen am Limit: Sassnitz fordert mehr Unterstützung für kommunale Zukunftsaufgaben
Mit der Beteiligung am bundesweiten Aktionstag „Kommunen am Limit“ macht die Stadt Sassnitz auf die wachsenden finanziellen Herausforderungen aufmerksam, vor denen Städte und Gemeinden stehen.
Als Hafenstadt steht Sassnitz vor der Aufgabe, eine Infrastruktur von überregionaler Bedeutung dauerhaft zu erhalten und weiterzuentwickeln. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Bildungseinrichtungen, Sportstätten, Straßen, den Hochwasserschutz und die Unterhaltung öffentlicher Einrichtungen. Trotz vorhandener Förderprogramme können viele notwendige Investitionen nur schwer umgesetzt werden, da die erforderlichen Eigenanteile fehlen.
Bürgermeister Leon Kräusche:
Sassnitz trägt als Hafenstadt Verantwortung für eine Infrastruktur, die weit über die Stadtgrenzen hinaus Bedeutung besitzt. Zahlreiche Hafenanlagen, Kaikanten, Uferbefestigungen und Schutzbauwerke stammen noch aus der DDR-Zeit und erreichen zunehmend das Ende ihrer technischen Lebensdauer. Der Sanierungsbedarf wächst seit Jahren, während geeignete Förderprogramme für viele dieser Anlagen fehlen.
Besonders deutlich wird dies im Stadthafen. Allein hier beläuft sich der Investitionsbedarf in den kommenden Jahren auf mindestens 50 Millionen Euro. Betroffen sind Kaianlagen, Uferbefestigungen, technische Infrastruktur sowie Maßnahmen des Hochwasser- und Küstenschutzes.
Ein herausragendes Beispiel ist die Sassnitzer Mole. Mit einer Länge von rund 1.450 Metern gilt sie als die längste begehbare Mole Europas. Sie ist nicht nur Wahrzeichen der Stadt und touristischer Anziehungspunkt für tausende Besucher jährlich, sondern zugleich ein wichtiger Bestandteil des Hafen- und Küstenschutzes. Die Mole prägt das Stadtbild, die Identität der Hafenstadt und die touristische Strahlkraft von Sassnitz weit über die Region hinaus.
Die Unterhaltung und Sanierung eines Bauwerks dieser Größenordnung übersteigen jedoch die finanziellen Möglichkeiten einer Kommune wie Sassnitz. Gleiches gilt für zahlreiche weitere Hafen- und Schutzanlagen, für deren Erhalt bislang keine ausreichenden Förderinstrumente zur Verfügung stehen.
Vor dem Hintergrund immer wieder auftretender Sturmfluten und Hochwasserereignisse sowie steigender Anforderungen an den Küstenschutz gewinnen diese Investitionen zusätzlich an Bedeutung. Der Erhalt der maritimen Infrastruktur ist nicht allein eine kommunale Aufgabe, sondern liegt auch im Interesse des Landes und des Bundes.
Die Stadt Sassnitz unterstützt daher die Forderungen des Deutschen Städte- und Gemeindebundes nach einer stärkeren finanziellen Ausstattung der Kommunen. Notwendig sind langfristig verlässliche Finanzierungsmodelle sowie gezielte Förderprogramme für Hafeninfrastruktur, Hochwasser- und Küstenschutz.
Die Stadt Sassnitz erwartet eine stärkere Beteiligung von Bund und Ländern an Aufgaben, die Kommunen allein nicht mehr bewältigen können. Nur so lassen sich Infrastruktur erhalten, die Folgen des Klimawandels bewältigen und die Zukunftsfähigkeit von Wirtschafts-, Hafen- und Tourismusstandorten nachhaltig sichern.
Stadtpräsident Norbert Benedict:
Unsere Stadt darf nicht auf Verschleiß fahren
Sassnitz ist eine Stadt mit großem Potenzial. Wir leben dort, wo andere Urlaub machen. Doch wer mit offenen Augen durch unsere Stadt geht, erkennt: An vielen Stellen fehlt es an den finanziellen Möglichkeiten, dringend notwendige Projekte umzusetzen.
Unsere Kinder verdienen bessere Bedingungen
Seit vielen Jahren wird unsere Grundschule saniert. Trotz erheblicher Fördermittel fehlen die notwendigen Eigenmittel, um alle Anforderungen vollständig umzusetzen. Unsere Kinder und Lehrkräfte brauchen jedoch moderne und zeitgemäße Lernbedingungen – nicht irgendwann, sondern jetzt.
Sassnitz ist eine Sportstadt – aber wie sieht es mit unseren Sportstätten aus?
Sport verbindet Generationen, fördert Gesundheit und stärkt das gesellschaftliche Miteinander. Doch unsere Sportanlagen werden diesem Anspruch immer weniger gerecht. Der Sportplatz soll zu einem modernen, multifunktionalen, integrativen und barrierefreien Sportzentrum entwickelt werden. Die Pläne liegen vor – doch die notwendigen Eigenmittel fehlen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie der spätere Betrieb personell und finanziell dauerhaft gesichert werden kann.
Auch die Sporthalle Dwasieden, die größte Sporthalle der Insel Rügen und Veranstaltungsort für zahlreiche sportliche und kulturelle Ereignisse, steht vor großen Herausforderungen. Für die dringend notwendige Sanierung oder einen Neubau fehlen derzeit die finanziellen Voraussetzungen.
Unsere Straßen brauchen mehr als Flickwerk
Viele Straßen in Sassnitz sind in einem Zustand, der längst über einfache Reparaturen hinausgeht. Zahlreiche Verkehrswege müssen grundlegend saniert werden, damit Sicherheit, Attraktivität und Lebensqualität erhalten bleiben.
Der erste Eindruck zählt
Wer mit dem Zug nach Sassnitz kommt, betritt unsere Stadt über die Bahnhofstraße. Doch statt eines modernen und einladenden Entrees präsentiert sich Besuchern vielerorts ein Bild des Verfalls.
Der Bahnhof selbst wirkt in Teilen desolat. Auf derselben Straße befindet sich das einst stolze Stubnitz-Kino – heute eine Ruine. Der gesamte Bereich zwischen Bahnhof und Kino erinnert vielerorts eher an vergangene Jahrzehnte als an eine moderne Stadt mit Zukunftsperspektiven.
Was Gäste über unsere Stadt sagen
Auch Besucher, die über die Lanckener Kreuzung nach Sassnitz einfahren, nehmen ähnliche Eindrücke wahr. Der sogenannte „Kistenplatz“ und sein Umfeld vermitteln nicht das Bild einer aufstrebenden Hafen- und Tourismusstadt. Stattdessen sehen viele einen Bereich mit erheblichem Sanierungsbedarf.
Sassnitz braucht neue Handlungsspielräume
Die genannten Probleme sind bekannt. Was fehlt, sind ausreichende finanzielle Möglichkeiten, um sie konsequent anzugehen. Fördermittel allein reichen nicht aus, wenn die erforderlichen Eigenanteile nicht aufgebracht werden können.
Wir brauchen eine ehrliche Diskussion darüber, wie Sassnitz seine Zukunft gestalten will:
Wie sichern wir gute Bildung? Wie erhalten wir attraktive Sport- und Freizeitangebote? Wie modernisieren wir unsere Infrastruktur? Wie schaffen wir ein Stadtbild, auf das Bürgerinnen und Bürger stolz sein können? Sassnitz hat großes Potenzial. Nutzen wir es gemeinsam.
Für eine lebenswerte, moderne und zukunftsfähige Stadt Sassnitz.
Bild zur Meldung: Kommunen am Limit: Sassnitz fordert mehr Unterstützung für kommunale Zukunftsaufgaben