Im Rathaus der Stadt Sassnitz gibt es im Treppenhaus Einritzungen im Holz und im Marmor "Kolja Baku 1945 1946". Bei einer Begegnung in Baltijsk zur Eröffnung des Fährhafen-Pendants zu Sassnitz sagte ein alter ordensgeschmückter Schiffsoffizier: "Ich war in Sassnitz. 1945." Im Lazarett in Sassnitz, später Krankenhaus, starb 1945 ein jugendlicher deutscher Soldat ohne seinen Namen nennen zu können. Er ist in Dwasieden im Wald als unbekannter Soldat beigesetzt. Die Sassnitzerin Liesel Riefstahl, damals Krankenschwester und Wegbegleiterin für das Sterben dieses Jungen, schrieb eine anrührende Miniatur. Auf dem Alten Friedhof gibt es Massengräber für die Opfer des 6. März 1945, aber auch Einzelgräber von Soldaten der Roten Armee, nicht nur Russen.
Der 8. Mai ist in Mecklenburg-Vorpommern Gedenktag für die Befreiung des deutschen Volkes von der faschistischen Diktatur. Warum? "Nie wieder" und "Nie wieder Krieg" war der Schwur von 1945. Viele dachten, dass die Lehre aus den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts ist: Krieg ist ein dem Menschen unwürdiges Mittel zur Durchsetzung politischer und wirtschaftlicher Ziele. Doch dem ist nicht so, wie auch das 21. Jahrhundert zeigt. Die Opfer, ob militärisch oder zivil, bringt wie eh und je der "gemeine Mann". Damit muss Schluss sein.
Deshalb und in mahnendem Gedenken an die Opfer von faschistischer Diktatur und Krieg gehen Sassnitzer auch an diesem 8. Mai, dem 65. Jahrestag der Befreiung und dem Ende des Krieges, an die Gräber der Toten und beginnen um 10:30 Uhr das Gedenken am Denkmal für die Opfer des Faschismus vor dem Rathaus.
D. Holtz
Bürgermeister