Eröffnung der Hafenbahntrasse

Sassnitz, den 05. 06. 2023
Am 03.06.2023, dem Weltfahrradtag, wurde die Hafenbahntrasse während der Veranstaltung des Präventionsrates „Sassnitz Cycling“ durch den Bürgermeister Leon Kräusche, den Fahrradbeauftragten Udo Abel und Maik Buchin feierlich eröffnet.
„Mit der Eröffnung der alten Hafenbahn als Rad- und Fußweg steht eine zusätzliche barrierefreie Verbindung zum Stadthafen zur Verfügung“ — so Bürgermeister Leon Kräusche.
Mit dem im Jahr 1896 begonnenen Bau der Stichstrecke zwischen Sassnitz Bahnhof und Sassnitz Hafen, der sogenannten Hafenbahn, wurde seinerzeit ein Provisorium erschaffen, welches dennoch über 100 Jahre überdauerte und ein fester Bestandteil in Sassnitz‘ Alltag darstellte. Dem vorausgegangen war die List eines der reichsten Männer Preußens und zudem Besitzer des Schlosses Dwasieden sowie ausgedehnter Ländereien in näherer Umgebung, Adolph von Hansemann, der großes Interesse an einem deutsch-schwedischen Verkehrshafen hatte. Bereits 1889 wurde im Bereich des heutigen Molenfußes ein Fischereischutzhafen errichtet, dessen Ausbau zu internationaler Verwendung nicht zur Debatte stand. Hansemann jedoch traf mit einer spitzen Bemerkung an richtiger Stelle, man wolle sich doch wohl nicht den Skandinavien-Verkehr von Dänemark wegnehmen lassen, einen wunden Punkt bei der preußischen Regierung, die sofort die notwendigen Maßnahmen einleitete. So wurde ab Herbst 1896 akribisch an der Umsetzung der Pläne gearbeitet, die den Bau der Verbindungsbahn vom Bahnhof zum Hafen, den Bau eines Hafenbahnhofs sowie die Fertigung schneller Postdampfer vorsahen. Jedoch erforderte der natürlich vorhandene und nur wenige Meter breite Blockstrand an diesem Küstenabschnitt eine Aufschüttung des Geländes sowie eine Pfahlgründung für die Standsicherheit aller zu errichtenden Gebäude. Aller Widrigkeiten zum Trotz konnte die Postdampferverbindung zwischen Sassnitz und dem schwedischen Trelleborg am 1. Mai 1897 ihren Betrieb aufnehmen und verschaffte den Gemeinden Sassnitz und Crampas, die 1906 zur Gemeinde Sassnitz zusammengeschlossen wurden, einen wirtschaftlichen Aufschwung.
Schon bald zeigte sich aber, dass die nahe wirtschaftliche Zukunft der Verbindung im Eisenbahnfährverkehr lag und durch die Eröffnung der Linie zwischen dem mecklenburgischen Warnemünde und dem dänischen Gedser im Jahr 1903 eine spürbare Konkurrenz entstanden war. Mit Hochdruck arbeitete man nun an der Umsetzung einer eigenen Eisenbahnfährverbindung, wobei Sassnitz gegenüber anderen diskutierten Standorten aus ökonomischen Gründen von preußischer Seite favorisiert wurde. In knapp einem Jahr gelang die Meisterleistung – der Umbau der Häfen von Trelleborg und Sassnitz für den Eisenbahnfährschiffverkehr, sodass am 6. Juli 1909 die „Königslinie“ eröffnet werden konnte. Bis zum 7. Januar 1998 bestand die Linie vom Sassnitzer Stadthafen aus, bevor sie in den Hafen Mukran verlegt und bis 2020 zuletzt einzig vom Fährschiff „Sassnitz“ bedient wurde.
Die Hafenbahn blieb somit für 100 Jahre die einzige Bahnzufahrt, zudem musste von Anfang an auf dem Bahnhof Sassnitz und erneut im Hafenbereich rangiert werden. Dieses umständliche Prozedere verschärfte sich im Laufe der Jahrzehnte durch gesteigerte Warenumschläge und waren es zunächst Dampflokomotiven, die schnaufend die schwere Fracht vom oder zum Bahnhof zogen, war später das Brüllen der Diesellokomotiven Bestandteil des Sassnitzer Alltags. Nachdem man die Strecke noch 1989 elektrifizierte, wurden die Gleisanlagen nach dem Wechsel der Fährschiffe in den Hafen Mukran zurückgebaut.
Vielen Dank an Marten Schie, Remo Düring und alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die bei der Eröffnung mitgewirkt haben.
 

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